Berlin, 22. Juni 2020 – Nach Angaben des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin (AIV) fängt guter Städtebau in einer Stadt mit vielen Wasserwegen bei den Brücken an. Dipl.-Ing. Tobias Nöfer, AIV-Vorsitzender: „Brücken können nicht nur verbinden, sondern Stadträume beleben bzw. sogar neu entstehen lassen. Das zeigen uns historische Beispiele wie der Ponte Vecchio in Florenz oder die Rialtobrücke in Venedig, aber auch moderne Bauten wie die Cirkelbroen-Brücke in Kopenhagen sowie die Entwürfe zur Bridge 800 competition in London. Berlins aktuelle Brückenplanungen im Zentrum sind hingegen uninspiriert, autobahnartig und eines Stadtzentrums unwürdig. Deswegen müssen dringend vernünftige urbane Konzepte entwickelt werden, damit nicht weiter Betonmonster gebaut werden, die einen guten Städtebau unmöglich machen.“

Zwei Beispiele für fehlgeschlagene Brückenplanungen, die zu einem monströsen Autoverkehr und zu unmenschlichen Räumen geführt haben, sind die Mühlendamm- und Gertraudenbrücke, die 1968 bzw. 1978 entstanden sind. Bis heute zerschneiden sie den historischen Kern von Berlin und sind zu Symbolen eines verfehlten Städtebaus geworden. Wie die baugleiche Elsenbrücke in Treptow sind sie mittlerweile baufällig und müssen erneuert werden – die Chance für einen Neuanfang!

Dr. Benedikt Goebel, Stadthistoriker und AIV-Vorstandsmitglied: „Hier darf es kein Weiter so! geben. Das Klosterviertel und der Molkenmarkt bilden den Ursprung der Stadt Berlin, der gerade neu gestaltet wird. Eine innovative Brückenplanung kann hier Quartiere verbinden und so die verlorene Urbanität zurückkehren lassen. Eine interessante Alternative wäre beispielsweise die Idee, die Mühlendammbrücke selbst wieder zu bebauen. Genau 100 Jahre nach der Gründung von Groß-Berlin hat die Stadt die einmalige Chance, nicht wieder in die 1970er Jahre zu verfallen, sondern auch im Zentrum eine menschenfreundliche Metropole zu gestalten.“

Als einen Grund für die Wiederholung verfehlter Brückenplanungen vermutet der AIV die Scheu der Verwaltungen, die sogenannten Kreuzungsverträge Wasser/Straße zu ändern, die für jede Kreuzung bestehen. Allein die selbstgemachten Verwaltungshürden machen schlechten Städtebau der Vergangenheit schon irreparabel. „Zudem kommunizieren die zuständigen Verwaltungen nicht miteinander. Stadtentwicklung, Verkehr und Finanzen müssten mal wieder an einem Strang ziehen. Schon vor bald 25 Jahren wurde von der Senatsverwaltung geplant, stadtverträgliche schmalere Brücken- und Straßenneubauten mit den Einnahmen aus dann freiwerdenden Grundstücken in bester Lage zu refinanzieren – Pläne, die man dringend nochmal studieren sollte“, führt Nöfer aus. „Das Ausmaß verpasster Chancen wird immer größer.“

Bereits letztes Jahr haben sich der AIV im Rahmen der Allianz für einen neuen Mühlendamm mit 15 anderen Vereinen und Verbänden gegen eine Wiederholung der stadtzerstörenden Autobahnbrücken ausgesprochen - und im September eine Brücken-Demo gegen „die Dinosaurier“ mitorganisiert. „Der damaligen Bitte um ein Gespräch oder einen runden Tisch zur Neugestaltung der Mühlendammbrücke ist die Verwaltung nie nachgekommen. Hier wird eine einzigartige Möglichkeit vertan, Berlin eine neue Mitte mit einer menschenfreundlichen Brücke zu geben“, so Goebel resümierend.

Weitere Informationen zum Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV):
Der AIV hat das Ziel, die Berliner Baukultur zu fördern. Seine wichtigste Aufgabe sieht der traditionsreiche und älteste noch bestehende Verein Berlins somit darin, Stellung zu aktuellen Planungsvorgängen zu beziehen. Er nimmt damit maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklungen in wichtigen städtischen Bereichen der Hauptstadt. Der AIV analysiert und kommentiert Etappen und Projekte; er stellt Diskussionsansätze für die zukünftige Stadtentwicklung vor und ist somit ein wichtiger und kritischer Begleiter der Bau- und Kulturgeschichte Berlins. www.aiv-berlin.de.

Ansprechpartner AIV:
Dipl.-Ing. Tobias Nöfer
Vorsitzender
Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin e.V.
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„Unvollendete Metropole“: Wettbewerb, Ausstellung und Metropolengespräche als Beitrag für die qualitative und nachhaltige städtebauliche Weiterentwicklung von Berlin-Brandenburg

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Berlin, 27. April 2020 – Heute vor 100 Jahren wurde Berlin zum dritten Mal geboren – nach seiner Gründung im Mittelalter und nach dem Zusammenschluss von Berlin und Kölln mit ihren drei barocken Stadterweiterungen am Neujahrstag 1710. Oder genauer: Der 27. April 1920, Tag des Beschlusses der Preußischen Landesversammlung zu Groß-Berlin, war der Beginn der Schwangerschaft, das Licht der Welt erblickte die Riesenstadt erst gut ein halbes Jahr später am 1. Oktober 1920. Bereits vor der Gründung Groß-Berlins hatte der „Architektenverein zu Berlin“ gemeinsam mit der „Vereinigung Berliner Architekten“ einen Wettbewerb zur Gestaltung der Stadtregion durchgeführt. Das Jahrhundertereignis prägt das Gesicht der Stadt bis heute.

Dipl.-Ing. Tobias Nöfer, Vorsitzender des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin (AIV): „100 Jahre später knüpfen wir an unsere historische Rolle an, um einer breiten gesellschaftlichen Debatte über die Zukunft der Stadtregion neue Energie zu geben. Unser Internationaler Städtebaulicher Ideenwettbewerb für Berlin-Brandenburg 2070 wird derzeit durchgeführt und im Juli entschieden. Die Wettbewerbsbeiträge sollen Lösungen aufzeigen, wie die Stadtregion in eine lebenswerte Zukunft geführt werden kann. Sie werden im Rahmen der Jubiläums-Ausstellung und in begleitenden Metropolengesprächen diskutiert. Wettbewerb, Ausstellung und Metropolengespräche bilden einen wichtigen Beitrag für die qualitative und nachhaltige städtebauliche Weiterentwicklung von Berlin.“

Unvollendete Metropole: 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin

In der Jubiläumsausstellung „Unvollendete Metropole: 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin“ werden Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Metropole verknüpft, die städtebaulichen Leistungen Berlins seit 1880 aufgezeigt und die daraus resultierenden aktuellen Potenziale der Stadtregion Berlin-Brandenburg beleuchtet.

Prof. Dr. Harald Bodenschatz, Professor am Center for Metropolitan Studies der TU Berlin und Kurator der Ausstellung: „Gleichzeitig blickt die Ausstellung in die Zukunft des Jahres 2070, indem sie die Ergebnisse des Internationalen Städtebau-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg 2070 öffentlich präsentiert. Sie schafft damit Voraussetzungen für eine erfolgreiche Planung des Metropolraums. Die Entwicklungen werden unter Themen-Schwerpunkten wie Wohnen, Arbeiten, Verkehr, Freizeit & Erholung dargestellt. Darüber hinaus wird die Betrachtung um eine europäische Perspektive erweitert.“

Anhand von Zukunftsprojekten stadtregionaler Bedeutung der Berliner Partnerstädte Moskau, Wien, Paris und London wird thematisiert, wie andere Metropolen mit aktuellen urbanen Herausforderungen umgehen. Die Ausstellung wird von Oktober bis Dezember im Kronprinzenpalais, Unter den Linden, stattfinden.

Metropolengespräche zur breiten gesellschaftlichen Debatte über die Zukunft der Stadtregion

Begleitet wird die Ausstellung von Metropolengesprächen mit Vorträgen und Diskussionen von politischer, zivilgesellschaftlicher und fachlicher Seite. Damit wird der Blick für städtische Schlüsselthemen geschärft, die heute aktueller sind denn je. Zu den Themen der Zukunft gehören die Mobilität in der Stadtregion, Wohnen und Arbeiten, Gesundheit, Erholung und Sport, Klima und Energie, Wissenschaft und Kultur, Innovation und digitale Stadtregion. „In den Metropolengesprächen werden die Zukunftsvisionen des Wettbewerbs in den jeweiligen Fachsparten mit wichtigen Akteuren diskutiert, beurteilt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht sowie neue Netzwerke geknüpft“, führt Prof. Dr. Bodenschatz aus.

Schirmherr des Jubiläumsprojektes „Unvollendete Metropole: 100 Jahre Städtebau für Groß-Berlin“ ist der Regierende Bürgermeister von Berlin. Zudem steht das Projekt in engem Kontakt mit dem Minister für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg und der Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin. Das Vorhaben wird unterstützt durch die Senatskanzlei Berlin, durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, durch zahlreiche private und öffentliche Förderer aus Berlin und Brandenburg sowie nicht zuletzt durch viele fachliche Partner. www.bb2020.de.

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Bauwirtschaft ist Motor für die Zeit in und nach der Krise

Berlin, 25. April 2020 – Vor 100 Jahren, am 27. April 1920, wurde der Beschluss gefasst, eine „neue Stadtgemeinde Berlin zu gründen“ (Groß-Berlin-Gesetz). Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) nimmt dies zum Anlass, mit Partnern von Oktober bis Dezember dieses Jahres eine Ausstellung über die städtebauliche Entwicklung nach diesem historischen Ereignis im Kronprinzenpalais Unter den Linden zu veranstalten. Aber auch, um die Ergebnisse des Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerbs für Berlin und Brandenburg 2070 zu präsentieren, der zurzeit bearbeitet und im Juli entschieden wird.

Dipl.-Ing. Tobias Nöfer, AIV-Vorsitzender: „Denn auch heute stehen wir – wie vor 100 Jahren – vor wichtigen Fragen und strukturellen Änderungen: die Frage nach der Zukunft der Mobilität, des Wohnens und Arbeitens im urbanen Raum oder nach der Zukunft von Freizeit und Sport in der Metropole – fast alle Bereiche sind einem gesellschaftlichen und damit städtebaulichen Wandel unterworfen. Wir brauchen daher eine Zukunftsperspektive, um die drängenden Probleme lösen zu können, denn sie auszusitzen, können wir uns nicht leisten. Die Zukunft kommt nicht über uns – sie wird heute von uns gestaltet.“ Dazu die aktuellen AIV-Statements:

Bauwirtschaft in der Pandemie

Viele Branchen sind durch die Krise unmittelbar beeinträchtigt – noch nicht aber die Bauwirtschaft. Noch laufen die Baustellen, aber ein Einbruch ist mit Zeitverzögerung auch hier möglich und – wenn nicht gegengesteuert wird – wahrscheinlich. Die Baubranche ist auch im neuesten Gutachten der Wirtschaftsweisen eine der wichtigsten wirtschaftlichen Säulen unseres Landes – gerade in der Krise und danach. Deshalb muss jetzt alles Notwendige getan werden, sie zu unterstützen und überflüssige Hemmnisse abzubauen.

Genehmigungspraxis jetzt umstellen

Wir unterstützen daher die in Berlin jüngst diskutierte Idee, bei den meisten Genehmigungsvorgängen auf das Verfahren der so genannten Genehmigungsfiktion umzusteigen. Das bedeutet, wenn in einer bestimmten Zeit auf einen Baugenehmigungsantrag von Seiten der Genehmigungsbehörde nicht geantwortet wird und keine Argumente gegen den Antrag vorgebracht werden, gilt dieser als genehmigt. Was bisher bei Vorhaben bis zu einer bestimmten Größe und bestimmter Art innerhalb von Bebauungsplänen gilt, muss auf Sonderbauten und Vorhaben außerhalb von Bebauungsplänen erweitert werden: die automatische Genehmigung nach vier Wochen. Außerdem müssen endlich allen am Verfahren beteiligten Ämtern verbindliche Fristen zur Bearbeitung auferlegt werden, nach deren Ablauf die Zustimmung erteilt ist. Dass zum Beispiel Stadtplanungsämter Vorgänge monate- wenn nicht jahrelang folgenlos liegenlassen, muss aufhören. Folgenlos deshalb, weil jeder weiß, dass eine Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht viele Jahre dauert und deshalb außer Ärger nichts bringt. Recht haben und Recht bekommen klaffen hier skandalös weit auseinander.

Bauämter in Corona-Zeiten

In der vergangenen Woche hat der Berliner Senat das Gegenteil von Beschleunigung beschlossen: die Berliner Bauordnung wurde so geändert, dass bisherige Fristen in der Pandemie „angemessen verlängert“ werden. So soll verhindert werden, dass Genehmigungen wegen derzeit für unvermeidbar gehaltener Fristüberschreitungen anfechtbar werden. Diese Regelung ist kontraproduktiv, denn Ämter werden dazu verleitet, wieder in unendliche Bearbeitungszeiten zurückzufallen, mit denen man mit Reformen schon so oft aufräumen wollte. Die Genehmigungsfiktion bei Fristablauf könnte die Genehmigungsbehörden dazu veranlassen mehr Personal einzustellen und Vorgänge zu straffen.

Amtspersonen an die Schreibtische

Die Beamten, besonders diejenigen, die in Einzelbüros sitzen, in Corona-Zeiten nach Hause zu schicken, ist für Antragsteller und Steuerzahler nicht nachvollziehbar. Alle, die isoliert arbeiten können, müssen jetzt arbeiten. Es muss alles unternommen werden, damit es gerade aktuell nicht zu einem Stillstand bei den Genehmigungsverfahren kommt. Um die Bauwirtschaft am Leben zu erhalten brauchen wir Baugenehmigungen und schnellere Bebauungsplanverfahren. 

Außerdem sind Mitarbeiter der Verwaltungen in der derzeitigen Krise meist nicht in der Lage, im Homeoffice tätig zu sein, da sie technisch nicht entsprechend ausgerüstet sind - und daher zurzeit gar nicht arbeiten. Hier muss die Digitalisierungsoffensive intensiviert, vielfach aber auch erst noch gestartet werden, damit die gesamte Arbeitsweise der Ämter erfasst und damit auch beschleunigt wird. So wäre es wesentlich effizienter, Beratungen für Bauvorhaben von speziellen Beratungsbeamten durchführen zu lassen, die Bauherren und Architekten über den Bildschirm planungs- und baurechtliche Fragen zu Grundstücken erörtern – gerne gegen Gebühr!

Nicht nur Verfahren, sondern auch Vorschriften und Gesetze ändern

Um Genehmigungsverfahren qualifizierter und schneller abarbeiten zu können, sollten wir uns auch über Gesetzesänderungen Gedanken machen. Die Bauordnung der Länder und die Planungsgesetzgebung des Bundes müssen auf Möglichkeiten durchforstet werden, Genehmigungsverfahren zu vereinfachen. Die Einführung des „urbanen Gebietes“ in die Baunutzungsverordnung 2017 war schon ein wichtiger, wenn auch kleiner Schritt in die richtige Richtung – denn sie erlaubt in urbanen Zusammenhängen ein besseres Miteinander von Wohnen und Gewerbe und eine höhere Dichte, wodurch die vorhandene Infrastruktur intensiver genutzt wird. Nun muss aber über vieles andere nachgedacht werden, wie z.B. die Änderung der Gebäudeklassen, um mehr Bauvorhaben genehmigungsfrei oder mit schnelleren Verfahren errichten zu dürfen. Oder die Einführung von „Prüfarchitekten“, die – wie heute schon Prüfstatiker oder Brandschutz-Prüfer – in hoheitlichem Auftrag Bauanträge prüfen und deren Genehmigung vorbereiten. Man kann auch darüber nachdenken, ob der Gesetzgeber den Bauherren mehr Eigenverantwortung zutraut, indem vorhabenbezogene Bebauungspläne im Genehmigungsverfahren vereinfacht werden und Bürgerbeteiligung nicht ausufert

Zentrales Bauamt einführen

Die Effizienzoffensive sollte nicht vor grundsätzlichen strukturellen Änderungen zurückschrecken. So sollte über die Einrichtung eines zentralen Berliner Bau- und Stadtplanungsamtes nachgedacht werden. Die Bezirksämter arbeiten nach wie vor nach dem Bezirksfürsten-Prinzip. Von Bezirk zu Bezirk ist man mit unterschiedlichen Auslegungen der Gesetze und Verordnungen konfrontiert. Genehmigungsverfahren, speziell die Entwicklungsvorhaben, werden oft nach dem Parteienproporz entschieden. Das Kompetenzgerangel zwischen Bezirk und Senat tut das Übrige. Die Bezirke sollten daher ihre Kompetenzen bündeln und eine zentrale Beratungs- und Service-Einrichtung schaffen, die die Entscheidungen über Planungsvorgänge herbeiführt.

Stadtfeindlichkeit im Namen der Hygiene ist von gestern

Kaum wird in Zeiten der Corona-Krise aus Gründen der Hygiene Mindestdistanz zwischen den Menschen empfohlen, wird dies auf die Städtebaudebatte übertragen und ein alter Streit schwelt wieder auf. So wird beispielsweise an die Zeit der Moderne vor 100 Jahren erinnert, in der auch wegen der Hygiene ein Umbau der Städte in weit voneinander entfernt stehende Einzelbauten begann. Oder es werden Empfehlungen wie „weitläufige Stadtlandschaften zu gestalten“ ausgesprochen – was nach allem, was uns heute an Entwicklungs-Sackgassen beschäftigt, wie der überbordende Verkehr oder der jahrzehntelang mit Füßen getretene Klima-, Umwelt- und Landschaftsschutz, gefährlicher Wahnsinn wäre, denn es würde zu weiteren Zersiedelungen und Flächenverbrauch führen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde diese Doktrin in vielen Städten der Welt – so auch in Berlin – so gründlich umgesetzt, dass wir über die Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg von einer Epoche der „zweiten Stadtzerstörung“ sprechen müssen. Heute stehen wir vor dem nächsten Stadtumbau: hin zur urbanen, dichten und trotzdem durchgrünten, biodiversen, energiesparenden und damit fußgängerfreundlichen Stadt, in der der individuelle Autoverkehr auf menschliche Geschwindigkeiten zurückgefahren wird. Denn: Auch der Zugverkehr hin zu den „weitläufigen Stadtlandschaften“ frisst Energie.

„Wenn die Corona-Krise etwas Gutes hat, dann, dass wir sehen, wie enorm flexibel und kreativ wir als Gesellschaft sind. Wir sollten die individuellen und gemeinschaftlichen Erfahrungen aus der Corona-Krise nutzen, neu zu denken. Wenn wir eine effiziente Bautätigkeit in Berlin haben wollen, dann müssen zuerst die Verfahren auf den Prüfstein und direkt danach die Gesetzgebung“, so Nöfer in seinem Fazit.

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Der AIV hat das Ziel, die Berliner Baukultur zu fördern. Seine wichtigste Aufgabe sieht der traditionsreiche und zweitälteste Verein Berlins somit darin, Stellung zu aktuellen Planungsvorgängen zu beziehen. Er nimmt damit maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklungen in wichtigen städtischen Bereichen der Hauptstadt. Der AIV analysiert und kommentiert Etappen und Projekte; er stellt Diskussionsansätze für die zukünftige Stadtentwicklung vor und ist somit ein wichtiger und kritischer Begleiter der Bau- und Kulturgeschichte Berlins. www.aiv-berlin.de.

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Apfelmus 02

Hier finden Sie die ausgewählte Berichterstattung zum Wettbewerb 2020:


AIV Pressemitteilung

Der AIV Katalog zum Wettbewerb erscheint demnächst.

Acht Arbeiten junger Planer*innen mit mehr Mut und Utopien für das „Berlin in 50 Jahren“ ausgezeichnet

Apfelmus 02
Abb.: "Apfel*mus“: Schinkel-Preis - Elisa Mado Lenius, Anne-Sophie Schoss (TU Dresden)

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Berlin, 13. März 2020 – Die Preisträger*innen des 165. AIV-Schinkel-Wettbewerbes stehen fest. Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) hat den Förderwettbewerb für junge Leute bis 35 Jahre dieses Mal ausgelobt, um mit mehr Mut Ideen und Utopien für das „Berlin in 50 Jahren“ zu kreieren. Eva Krapf, Vorsitzende des AIV-Schinkel-Ausschusses: „Dieses Jahr blicken wir nicht nur auf 100 Jahre Groß-Berlin zurück, sondern schauen in die Zukunft, um Szenarien zu entwickeln, die aufzeigen, welche Weichen wir schon heute für die Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg stellen müssen.“

Aufgabe war es, auf dem Siedlungsstrahl Berlin – Karow – Buch – Panketal – Bernau an Entwürfen für ausgewählte Orte aufzuzeigen, wie sich die absehbaren Veränderungen von Umwelt und Gesellschaft stadträumlich, landschaftlich und baulich darstellen und auf die zukünftige Gestaltung von Stadt- und Landschaftsräumen auswirken werden. Das Thema war in die Fachsparten Architektur, Städtebau, Landschaftsarchitektur und Freie Kunst unterteilt.

Eingegangen sind insgesamt 92 Arbeiten von jungen Planer*innen, von denen acht ausgezeichnet werden. Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 18.200 Euro vergeben. Krapf: „Bei den eingereichten Arbeiten haben wir dieses Jahr ein insgesamt qualitativ höheres Niveau verzeichnet, da auch die Aufgabenstellung sehr anspruchsvoll war. Die preisgekrönten Arbeiten zeigen große Zuversicht, die Aufgaben der Zukunft in Angriff zu nehmen, aber auch den Mut, Außergewöhnliches zu wagen. Deswegen tut es uns von Herzen leid, dass wir dieses Jahr die Pressekonferenz mit Ausstellungseröffnung sowie das Schinkel-Fest mit Preisverleihung aufgrund der Corona-Krise absagen müssen.“

Dipl.-Ing. Tobias Nöfer, AIV-Vorsitzender, ergänzt: „Da die Lage sich täglich verschärft, haben wir beschlossen, der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers zu folgen und alles Mögliche zu tun, um die weitere Ausbreitung zu stoppen. Das Schinkel-Fest, die Preisverleihung und die damit verbundene Ausstellung werden auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr verschoben. Die genaue Datierung wird bekannt gegeben, wenn wir einen sicheren Zeitpunkt gefunden haben.“

Für den nächsten Schinkel-Wettbewerb im Jahr 2021 steht bereits das Thema fest. Dazu die beiden zukünftigen Vorsitzenden des Schinkel-Ausschusses Gesche Gerber und Ernst-Wolf Abée: „Die Aufgabe im nächsten Jahr heißt ´Zwischen Wasser und Gleis´ und sucht nach neuen Ideen für den Berliner Westhafen und Großmarkt. Beide sind wie ´geheime Orte´, die den meisten Berliner*innen unbekannt sind, jedoch haben sie eine große Bedeutung für die Ver- und Entsorgung der Stadt. Dies gilt es zu etablieren.“

Nöfer: „Neben dem AIV-Schinkel-Wettbewerb führen wir anlässlich des 100-jährigen Jubiläums Groß-Berlins auch den internationalen städtebaulichen Wettbewerb Berlin-Brandenburg 2070 durch, der ab 1. Oktober von Metropolengesprächen und einer Ausstellung im Kronprinzenpalais begleitet wird. Mit beiden Wettbewerben verfolgen wir das AIV-Ziel, die Berliner Baukultur zu fördern.“

Weitere Informationen zu den Preisträger*innen finden Sie folgend, Bildmaterial unter folgendem Link: https://drive.google.com/drive/folders/1-eP1_y_w300KruHOejlTt-Iv73vF1Gr8

Preisträger*innen AIV-Schinkel-Wettbewerb:

Fachsparte Architektur:
„Die fliegende Stadt“:
Schinkel-Preis - Christian Rapp (HS Augsburg)
„La Fabrique“: Sonderpreis, gestiftet von Heinz Diesing über die Karl-Friedrich-Schinkel-Stiftung des AIV - Carsten Sgraja (FH Potsdam)
„Bocage”: Sonderpreis, gestiftet von Heinz Diesing über die Karl-Friedrich-Schinkel-Stiftung des AIV - Felix Schuschan, Leon Hidalgo (FH Münster)

Fachsparte Städtebau
„Apfel*mus“:
Schinkel-Preis - Elisa Mado Lenius, Anne-Sophie Schoss (TU Dresden)
„Ber-linie“: Sonderpreis, gestiftet vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg (MIL) - Rebecca Bader, Michelle Kaszas, Michael Maier, Luisa Wetzel (HTWG Konstanz)


Fliegende Stadt
Abb.: „Die fliegende Stadt“: Schinkel-Preis (Christian Rapp, HS Augsburg)

 

Fachsparte Landschaftsarchitektur
„Equilibrium“:
Schinkel-Preis - Antonia Eger, Evelina Faliagka, Pascal Zißler (TU Berlin)
„Joint Future“: Sonderpreis, gestiftet von der Lenné-Akademie für Gartenbau und Gartenkultur e.V. und Sonderpreis, gestiftet vom Verband Restaurator im Handwerk e.V. - Xiang Lin, Dihang Lin, Wen Yang (TU München)

Fachsparte Freie Kunst
„Expo 2100 & die ´Berliner Schachtel´“:
Sonderpreis, gestiftet von der Hans und Charlotte Krull Stiftung - Friedrich Barth, Alexander Witt (Bauhaus Universität Weimar, UdK Berlin)

Weitere Informationen zum AIV-Schinkel-Wettbewerb:
Seit 1855 richtet sich der AIV-Schinkel-Wettbewerb als Förder- und Ideenwettbewerb jährlich an junge Planer*innen, um deren Kreativität für die Lösung zukunftsorientierter Planungsaufgaben zu wecken. Neben der Förderung des technisch-wissenschaftlichen Nachwuchses initiiert der Wettbewerb einen Dialog zwischen Stadtöffentlichkeit, Fachleuten, Verwaltung und Politik. Er zielt darauf ab, Interesse für ein Gebiet zu wecken, Sensibilität im Umgang mit dem Bestand zu entwickeln, die Bedeutung für die Umgebung aufzuzeigen und somit zur Qualifizierung der Aufgabenstellung einer formellen Planung beizutragen. In diesem Sinne ist der Wettbewerb darauf ausgerichtet, eine Beziehung der breiten Öffentlichkeit zum Planungsgebiet zu generieren und sie für die Gestaltung der öffentlichen Räume zu gewinnen. Aufgrund seiner Unabhängigkeit gelingt es dem AIV-Schinkel-Wettbewerb damit, Anregungen in laufende Planungen einzubringen. www.aiv-berlin.de/schinkel-wettbewerb

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